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Das Tagpfauenauge ist - wie sein Name schon verrät - ein Tagfalter und gehört zur Familie der Edelfalter.
Wer kennt sie nicht, die Schmetterlinge, die mit zusammengeklappten Flügeln wie vertrocknete, schwarzbraune und metallischglänzende "Blätter" in feuchten Kellern, Garagen und unbewohnten Häusern auf der Decke hängend gemeinsam mit Florfliegen den Winter verbringen?
Viele Tagpfauenaugen überwintern auch in Naturhöhlen, aufgelassenen Bergwerken und in Fuchs- und Dachsbauten. Berührt man versehentlich einen Schmetterling, gibt er - zur Abschreckung von Feinden - durch das ruckartige Aufklappen der Flügel einen zischenden Laut von sich und große "Augen von nachtaktiven Raubtieren" werden sichtbar.

Schon ab März verlassen sie ihre Winterquartiere und sind bis Mai auf Blüten beim Saugen von Nektar mit ihrem einrollbaren Rüssel zu sehen. Ab Mitte April legen die Weibchen ca. 200 Eier auf die Unterseite der Blätter von der Großen Brennessel, die fast ausschließlich die Futterpflanze der Raupen ist. Notfalls werden auch andere Brennesselarten nicht verschmäht.
Die Entwicklung vom Ei über die Raupe und Puppe bis zum fertigen Prachtexemplar dauert ungefähr zwei Monate. Die kleinen Raupen, die nach ca. 14 Tagen schlüpfen, legen zum Schutz vor Fressfeinden über die Brennessel ein Gespinst an. Sobald die Blätter in der Krabbelstube verzehrt sind, verlassen sie die schützende Hülle und kleine Gruppen und in weiterer Folge einige und einzelne wandern zu den benachbarten Brennesseln (Überlebensstrategie), auf denen sie die typischen Spuren hinterlassen: bis auf die Rippen kahlgefressene Blätter und Stoffwechselrückstände.
Nach ca. vier Wochen entwickeln sich aus den graubraunen zarten Geschöpfen nach mehreren Häutungen ca. vier Zentimeter lange schwarze dornenbewehrte Raupen, die mit vielen weißen Pünktchen übersät sind.
 
Zur Verpuppung wenden sie die nächste Überlebensstrategie an, indem einige auf den Futterpflanzen, andere in unmittelbarer Umgebung und die meisten bis zu 30 Meter entfernt geeignete trockene Hangplätze unter Blättern, an Bäumen, Totholz, Garteneinrichtungsgegenständen, Zäunen und an Wänden von Wintergärten, Wohn- und Gartenhäusern aufsuchen.
Kopfüber hängend beginnt in der Raupe die Umwandlung zur Puppe, in der der Schmetterling heranreift: Nach zwei bis drei Tagen platzt die schwarze Raupenhülle auf und wird mit drehenden Bewegungen von der hellgrünen Puppe abgestreift und danach abgeworfen. In den 14 Tagen der Entwicklung des Schmetterlings verfärbt sich die Puppe (auch Stürzpuppe genannt) allmählich von hellgrün bis braun.
 
Am Ende der Metamorphose sind die Flügel durch die Puppenhaut schon gut zu erkennen. Die Sollbruchstelle der Puppenhülle befindet sich im Kopf- Rückenbereich. Das Tagpfauenauge dreht sich während es kopfüber harausklettert um, bleibt an der Puppenhülle sitzen und pumpt Flüssigkeit in die zerknüllten Flügel bis sie prall gefüllt sind. Nach dem Eintrocknen der Flügel und einigen Probeschlägen hebt es zum ersten Flug ab. Es muss - nach dem bisherigen tollpatschigen Leben - ein befreiendes Gefühl sein!

Die erste Generation, die bis August fliegt, bringt bald darauf eine zweite Generation hervor, die von August bis Oktober beobachtet werden kann und überwintert.
Die Tagpfauenaugen spielen auch in der natürlichen Nahrungskette eine wichtige Rolle:
- Eier und Raupen fallen den Ameisen zum Opfer.
- Einige Parasiten - meist Fliegen - leben in und in weiterer Folge von den Raupen.
- Vögel, Amphibien, Reptilien und Spinnen lassen sich die wertvolle Speise auch nicht entgehen.
Der größte Feind ist der Mensch, der - getrieben vom Sauberkeitswahn - oft unwissentlich die Brennesseln mitten in der Entwicklungsphase der Raupen mäht, die häßlichen "Würmer" vernichtet, die unerwünschten Wintergäste aus Keller und Garage vertreibt und durch allwöchentliches Mähen des Hausgartens das Blühen der Wiesenblumen verhindert, die lebenswichtige Nektarspender für die Schmetterlinge sind.
Die schönen Tagfalter können mit keinem anderen Schmetterling aufgrund seiner markanten Augenzeichnungen auf ziegelroter und brauner Grundfärbung verwechselt werden.
Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Europa über Asien bis Japan (Wikipedia). Sie sind bei uns auf Wiesen und Feldwegen, an Ackerrainen, Straßenrändern und Bachböschungen und in Streuobstwiesen und Hausgärten anzutreffen. Sogar in lichten Wäldern, an Waldrändern und in halbschattigen Auwäldern kann man die schwarzen Raupen auf Brennesseln finden.

Nach der Mahlzeit auf Blüten der Wiesenblumen, Gewürzkräuter, Polsterstauden und Sträucher in unseren Hausgärten legen sie auf Hausmauern und Kinderspielgeräten gerne Pausen ein. Im Herbst verschmähen sie auch Obst nicht und nutzen die letzten warmen Sonnenstrahlen für ausgiebige Sonnenbäder, bevor sie ihre Winterquartiere aufsuchen.
Text und Fotos: Franz Lex,
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