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Wegen seiner Grabtätigkeit wurde der Maulwurf früher in Acker- und Grünland massenweise gefangen und vernichtet. Heute ist er auf Ackerflächen wegen Dünger- und Pestizideinsatzes, Gülleausbringung und Tiefpflügens so gut wie verschwunden und im Grünland ist er nur mehr lokal häufig. In Gärten wird er massiv verfolgt. Erstens "verunziert" er den stets frisch gemähten Rasen und zweitens wirft man ihm fälschlich das Abfressen von unter der Erde liegenden Pflanzenteilen vor, weil man ihn mit der Schermaus verwechselt.
Im Juli ist die jährliche Fortpflanzungsperiode der Maulwürfe bereits abgeschlossen. Das Weibchen hat nach einer Tragzeit von 3 - 4 Wochen ihren meist einzigen Wurf, der bis zu sieben Junge umfassen kann, zur Welt gebracht. Die Neugeborenen wiegen ca. 6 g, sind nur 36 mm lang und ihre Haut ist nackt. Im Alter von 14 Tagen sprießen die ersten Haare, die Augen öffnen sich am 22. Tag nach der Geburt und erst im Alter von vier Wochen verlassen die Jungen das Nest. Bis dahin werden sie von der Mutter gesäugt.
Das Nest befindet sich entweder in einer unterirdischen Nestkammer, oder – wenn der Maulwurfsbau nahe beim Grundwasserspiegel liegt – auf dem Boden, wo es mit einem Erdhaufen bedeckt wird. Das Nest ist ein kompakter Ball mit einem Durchmesser von 25 - 30 cm. Es besteht aus Gras, Stroh oder Blättern, in seinen innersten Teil wird täglich frisches Pflanzenmaterial eingetragen.
Während lebende, aber auch tote Maulwürfe eher selten zu finden sind, sind ihre Baue durch die Hügel, die aus beim Graben anfallender Erde bestehen, sehr auffällig. Allerdings sind sie nicht leicht von den Hügeln der Schermaus zu unterscheiden. Maulwurfhügel sind rund (nicht länglich wie bei der Schermaus), regelmäßig in Linien angeordnet und die Gänge sind eher queroval (nicht hochoval). Anders als der Name vermuten lässt ("Maul"wurf), wird die Schnauze niemals zum Graben im Boden benutzt. Diese schwere Arbeit wird von den mit langen Nägeln bewehrten, breiten Händen verrichtet. Das Umdrehen in der Röhre wird in Form eines Saltos durchgeführt, wobei dem Maulwurf das Samtfell, das sich in alle Richtungen streichen lässt, sehr zugute kommt. Wegen des hohen CO2-Gehalts der Luft im Bau hat der Maulwurf eine sehr große Lunge und zahlreiche rote Blutkörperchen.
In seinem unterirdischen Reich mit einer Ausdehnung von ca. 300 m2 und einer Ganglänge bis zu 300 m pro Individuum fängt der Maulwurf seine Nahrung. Sie besteht zu fast 50 % aus Regenwürmern, der Rest sind Larven verschiedener Insekten. Bevor ein Regenwurm verzehrt wird, streicht der Maulwurf den Darminhalt mit der Hand heraus. Alle Tiere bis zu Mausgröße, die in seine Röhren fallen, werden ebenfalls verspeist. Zu Beginn des Winters legt der Maulwurf in der Nähe des Nestes Regenwurmvorräte an. Bis zu 790 durch Biss in den Kopf verletzte Regenwürmer hat man in einer einzigen Vorratshaltung schon gefunden! Sofern der Vorrat nicht aufgebraucht wird, erholen sich die immer kühl gehaltenen Regenwürmer wieder und können im Frühjahr ihr Gefängnis verlassen.
Der Appetit des Maulwurfs ist groß: Die schwereren Männchen fressen täglich bis zu 74 % des Körpergewichts (durchschnittlich 100 g), die leichteren Weibchen, die durchschnittlich 85 g schwer werden, verschlingen bis zu 89 % ihres Gewichts. Körpergröße und –gewicht der Maulwürfe schwanken in Abhängigkeit von der Tiefe und Fruchtbarkeit des Bodens stark. In seichten, trockenen Böden leben kleine, in tiefen, feuchten Böden große Maulwürfe.
Text: Dr. Friederike Spitzenberger |