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Der hübsche Name "Siebenschläfer" ist ausnahmsweise zutreffend: Tatsächlich verbringt diese größte heimische Schläferart mindestens sieben Monate (meist von Oktober bis Mai) im echten Winterschlaf - die Körpertemperatur fällt von ca. 35° C auf 0,5° - 1° C, die Herzfrequenz von 450 Schlägen pro Minute (!) auf 35 und die Atmung setzt bis zu 50 Minuten lang völlig aus. Starr und kalt liegen sie in ihrem Winterlager auf dem Rücken, zu einer pelzigen Kugel eingerollt. Hände und Füße sind eigezogen, der lange buschige Schwanz ist über den Kopf gelegt und die Ohrmuscheln sind über den Gehörgang geklappt.

Anfang Oktober liegen fast alle Siebenschläfer schon im tiefen Winterschlaf. Nur magere Jungtiere aus späten Würfen, die sich noch nicht genug Winterspeck angefressen haben, bleiben gelegentlich bis November aktiv. Tiere, die sich im abgelaufenen Sommer nicht fortgepflanzt haben, können sich bereits ab August bei noch warmem Wetter unter die Erde zum Winterschlaf zurückziehen.

Nur selten verbringen Siebenschläfer den Winter in Höhlen starker, alter Bäume. Meistens benutzen sie unterirdische Hohlräume, die sie entweder selbst ausgegraben haben, oder die sie vorfinden, wie z. B. Fuchs- und Dachsbaue, Kellerräume, Hohlräume unter Fußböden. Man hat aber auch schon schlafende Siebenschläfer in Betten von Berghütten gefunden. Meistens schlafen sie in Gruppen. Es könnte sein, dass es sich dabei um Familien handelt, die sich gemeinsam zur Ruhe begeben, es könnte aber auch sein, dass ein schlafbedürftiger Siebenschläfer den Duftspuren, die die Sohlen eines Artgenossen hinterlassen, so lange folgt, bis er diesen im unterirdischen Quartier trifft.

 

Vor Eintritt des Winterschlafs werden Siebenschläfer enorm feist. Die Tatsache, dass sie fast unbegrenzt an Gewicht zulegen können, hat dazu geführt, dass die alten Römer sie in tönernen Käfigen regelrecht gemästet und dann verzehrt haben. Verschiedene Rezepte für die Zubereitung sind noch erhalten. Auf diesen merkwürdigen Gusto der Römer geht der englische Name des Siebenschläfers "Edible Dormouse" = "Speiseschläfer" zurück.

 

In den Wäldern Sloweniens und Kroatiens werden aber noch heute im Herbst mit Spezialfallen zigtausende Bilche, wie die Siebenschläfer auch heißen, gefangen und über dem Feuer geröstet. Auch ihr Fell wird zu Mützen und anderen Kleidungsstücken verarbeitet.

 

Nach dem Erwachen im Mai müssen die Siebenschläfer zuerst wieder zunehmen und zu Kräften kommen. Da dann nur mehr kurze 20 Wochen bis zum nächsten Winterschlaf bleiben, gebären Siebenschläfer nur einen Wurf, der aber aus bis zu 11 Jungen bestehen kann. Sie kommen erst im August zur Welt.

 

Bilche leben vor allem in Laub- und Mischwäldern und haben eine besonders enge Bindung an Rotbuche und Eiche. In Jahren, in denen es keine Mast gibt, findet keine Fortpflanzung statt. Wie die Siebenschläfer schon im Mai erkennen können, ob es im Herbst eine Mast geben wird oder nicht, ist bis heute unbekannt geblieben.

Text: Dr. Friederike Spitzenberger


Foto: Franz Lex (Im Sommer 2007 zog dieses Siebenschläferweibchen in unserem Hausgarten im Vogelnistkasten seine Jungen groß. An einem heißen Sommertag suchte es Abkühlung und hing stundenlang so da, weil es zu heiß in der "Hütte" war. Da der Nistkasten auf ca. 5m Höhe am Kirschbaum angebracht ist, stellte ich eine kurze Stehleiter auf, um im Abstand von ca. 2 m noch bessere Fotos zu machen. Ein kurzer Blick zu mir war die einzige Reaktion, denn es kannte die Hausleute.) Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

 

 
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