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"Fuchs, du hast die Gans gestohlen", heißt es in einem Kinderlied. Lebt der Fuchs tatsächlich von Hausgeflügel? Die Wissenschaft weiß es besser. Sie sagt, der Fuchs frisst so ziemlich alles, was er erwischen kann. Kalorienreiche Bissen sind ihm natürlich lieber als vegetarische.
Der Fuchs frisst in erster Linie Nagetiere ("Mäuse") und Hasen (besonders Kaninchen). Vögel spielen keine große Rolle, wenn man davon absieht, dass er in Möwenkolonien gerne die wehrlosen Jungen frisst. Häufig nimmt er Aas, Schlacht- und Haushaltsabfälle, gelegentlich Insekten und Regenwürmer. Obst, Beeren, Eicheln und sogar Getreidekörner runden den Speiseplan ab. Und das Hausgeflügel? Sofern es ihm zugänglich ist, verschmäht er es natürlich auch nicht.
Der Dezember ist der Monat des Jahres, in dem die Füchse am meisten aktiv sind. Jetzt beginnt nämlich die Ranzzeit. Die Rüden wandern viel umher und sind oft auch bei Tag zu sehen. Die Fähen verlassen den Bau hingegen erst bei einbrechender Dunkelheit zur Nahrungssuche.
An der Fortpflanzung nehmen auch schon Jungfüchse im Alter von 9 bis 12 Monaten teil. Schon im Jänner gibt es trächtige Fähen. Nach einer Tragzeit von weniger als zwei Monaten kommen in der Geborgenheit des Fuchsbaus durchschnittlich 4 – 6, maximal bis zu 12 Junge zur Welt. Sie sind typische Nesthocker mit geschlossenen Augen und Ohren und wiegen ca. 100 g. Allerdings haben sie bereits ein schütteres, wolliges, braunes Fell und eine weiße Schwanzspitze. Im Alter von drei Wochen können sie gehen und feste Nahrung zu sich nehmen, aber erst mit vier bis fünf Wochen beginnen sie, den Bau zu verlassen. Erst wenn sie drei bis vier Monate alt sind, können sie sich selbst mit Nahrung versorgen.
In den letzten Jahren hat die Zahl der Füchse deutlich zugenommen, Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist wohl, dass die flächendeckende Tollwutimpfung der Füchse mit Hilfe von ausgelegten Ködern, in denen der Impfstoff enthalten ist, diese Krankheit in großen Teilen Europas ausgerottet hat. Das heißt, dass Füchse älter werden und mehr Nachkommen haben als früher. Auch die Bejagung ist deutlich zurückgegangen. Als für ein schönes, dichtes Winterfell noch hohe Preise gezahlt wurden, wurde der Fuchs mit verschiedensten Methoden (Abschuss, Fallenfang, Baubegasung) erlegt. Heute sind Fuchskappe und –jacke nicht mehr modern, geradezu verpönt.
Dennoch ist nicht zu erwarten, dass die Bestandszahlen des Fuchses so lange ins Unermessliche anwachsen, bis der letzte am Boden brütende Vogel, alle Mäuse und Hasen, vom teuren Hausgeflügel gar nicht zu reden, aufgefressen sind. Auch beim Fuchs regelt sich die Häufigkeit von selbst so, dass die Beutetiere nicht von Ausrottung bedroht sind.
Dr. Friederike Spitzenberger |